FUSSA Zwischenstand und Schnittgebastel

Das diesjährige Film- und Serien-Sewalong, kurz FUSSA läuft und heute ist Zwischenstandsbericht angesagt. Was genau ich mir da vorgenommen habe, könnt Ihr hier nachlesen.

Wer hätte gedacht, dass ein simples, blaues Etuikleid so ein Mammutprojekt wird…. ähm, ja… ich habe es irgendwo tief innen wahrscheinlich vermutet. Aber es ist gut so! Weil ich mich dadurch endlich ans konstruieren mache und (so hoffe ich) ganz dicht dran bin – am individuellen Schnittmuster für das perfekte Etuikleid. Was dann eine hervorragende Ausgangsbasis ist, um es 1000fach abzuwandeln und einem Großteil aller Schnittmuster damit Adieu zu sagen. Allerdings hatte ich wohl insgeheim gehofft, das würde etwas einfacher werden. Eins nach dem anderen.

Fehlversuch galore

Nachdem ich ja einige denkbare Schnittmuster gezeigt hatte, hab ich mich nochmal an meine Nähzeitschriftensammlung gesetzt und alles durchgeguckt, ob ich nicht noch was passenderes zu finden wär. War es. So dachte ich.

In einer älteren Burdastyle 2/2016 war ein Zugabe-Heftchen von „Geschickt eingefädelt“ mit einem Shiftdress 007. Die technische Zeichnung sah perfekt für mein FUSSA Vorhaben aus. Das fertige Modell ist nicht abgebildet. Im nachhinein muss ich sagen #ausGründen. In der Sendung hatte es Julian genäht – das superenge blaue Kleid mit dem abnehmbaren langen Rock drumrum – falls sich wer erinnert. Bei burdastyle sieht es dagegen so aus.

Kein Wunder, dass selbst Julian sich schwer getan hat und Inge anmahnte, dass es aussieht, als würde es gleich platzen. Das Ding ist meiner Meinung nach eine totale Fehlkonstruktion. Ich hatte vorsichtshalber eine 38 bzw. die vergleichbare Kurzgröße zugeschnitten, obwohl mir bei Burda (außer der Schulterbreite) die Größe 36 meist gut passt. Trotzdem saß das Ding an Brust und Hüfte extrem(st) spack, am Bauch dagegen sehr lose und der eigentlich so schick aussehende Ausschnitt schnürte mir den Hals zu, dass ich Beklemmungen bekam. Der locker sitzende Pailettensack auf den burdastyle Seiten muss drei Nummern zu groß sein. Das ist weder Shift noch Etui, sondern Mist.

Dummerweise hatte ich mich trotz immer größer werdender Zweifel bis zum Futter vorgearbeitet. Zum Glück allerdings in einem wenig geliebten festeren, jeansartigen GlanzPoly. Bei der letzten Anprobe vor Reissverschluss einsetzen, war ich dann so genervt, dass ich es schlicht weggeschmissen habe. Umarbeiten wär extrem mühsam gewesen, das war es nicht wert.

„Kleider nähen“ Schnittgebastel

Dann erinnerte ich mich, dass ich seit einiger Zeit das Buch „Kleider nähen“ hier liegen habe [*]. Aber obwohl mir die Schnitte darin schon angepriesen wurden und es toll erklärt ist, hatte ich mich nicht dran getraut. Doch jetzt war der Frust so groß, dass ich es zur Hand nahm und beschloss mich durch die 1000 angeleiteten Änderungen zu arbeiten, um endlich DAS perfekte Etuikleid-Schnittmuster zu haben. Perfekt für ein klassisch schlichtes Kleid im Stil von Dr. Gillian Foster in Lie to me für mein FUSSA 2017. UND die perfekte Ausgangsbasis, um es endlos variieren zu können und deutlich unabhängiger von fertigen Schnittmustern zu werden, denn auch das wird darin super erklärt.

Gesagt, getan. Der Größentabelle nach habe ich – nein wollte ich – eine 38 abpausen. Dummerweise stehen die Zahlen nicht dran und gedanklich von einer 34 als kleinste Größe ausgehend, hab ich munter eine 36 zugeschnitten. Probemodell genäht, gewundert. Die Form saß grundsätzlich schon ziemlich gut, aber atmen war nicht mehr. Also getrennt und Nahtzugabe maximal ausgereizt. Und dann hab ich das mit der Größe rausgefunden. Also – die Dinger sitzen echt figurnah!!! Im Gegensatz zu amerikanischen Schnitten, wo die nach Maßen angeblich passende Größe oftmals Zeltcharakter hat. Nun gut. Abgesehen von dieser Kleinigkeit bin ich bisher sehr begeistert von dem Buch!

Ich hab mich also am lebenden Modell durch die noch nötigen Änderungen gearbeitet und fleissig aufs Schnittmuster übertragen. An sich selbst die Rückennaht abstecken grenzt echt an Artistik, Ausbildung zum Schlangenmensch inklusive. An den ganz schlimmen Stellen hat Töchterchen dann zum Glück assistiert. Am Ausschnitt hab ich mir wieder wie beim Anna mit einer Kellerfalte beholfen – das soll aber beim endgültigen Modell anders sein. Irgendwann lerne ich das noch mit meiner Schulterbreite. Alles in allem finde ich meinen Dummy jetzt schon ganz gut, auch wenn es noch ein paar Details zu ändern gäbe: ein bisschen zu viel Weite und Länge im Rücken, zu schmal im Hüftbereich. Auf den Fotos nicht sichtbar und nicht tragisch, aber ich bin jetzt ausnahmsweise mal meine eigene Pingel-Inge. Ist schon alles auf den Schnitt übertragen.

Der Stoff ist übrigens ein günstiger grob-gewebter Ikea-Baumwollstoff, der zwar krass knittert, aber sich sehr angenehm weich anfühlt und so sehr nach Leinen aussieht, dass ich es als privates Sommerkleid vertretbar finde.

So – ab jetzt wirds SPANNEND! Als nächstes folgt das Modell nach diesem neu erstellten Schnittmuster in schönem, dem Vorbild schon sehr nahe kommendem feinen Jeans-Stoff. Ein Stoffmarkt-Coupon, von dem ich glücklicherweise zwei habe. Mal sehen ob die Änderungen so alle funktionieren. Falls nicht, gehe ich endlich energisch auf Suche nach nem Schnittkonstruktionskurs. Eine denkbare Möglichkeit hab ich jetzt schon gefunden…

Bin ja gespannt, wie weit die anderen sind: hier entlang.

 

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9 Kommentare

  1. Oh, der Versuch mit dem „geschickt eingefädelt“-Schnitt hört sich übel an. Schade, dass du den Stoff wegwerfen musstest – aber ich sage mir dann immer, dass ich dafür ja Probemodelle erstelle.
    Ich wünsche dir, dass das nächste Modell schon perfekt passt.
    LG Cordula

    • Lieben Dank Cordula, es war ein Stoff der sonst auf dem nächsten Tauschtisch gelandet wäre. Bei solchen figurnahen WebSachen kommt man halt nicht drumrum, alles gut. Und lieben Dank für die guten Wünsche – ich lasse Euch wissen wie es weitergeht! LG

  2. Von den „Geschickt eingefädelt!“ Schnitten habe ich bis jetzt noch nichts gutes gehört… Ich habe sie mir aber auch heruntergeladen. Nur noch nicht genäht… Schade, dass dein Kleid so ein Reinfall war!

    Aber immerhin ist dein zweites um so besser! Ich bin gespannt auf die Finalversion!

    • Hihi, gespannt bin ich auch. Ich hatte von den Schnitten vorher noch gar nix gehört. Aber seltsam finde ich es schon, läuft ja als normaler Burdaschnitt, da hätte ich so eine Katastrophe schon nicht erwartet. Egal, war ja schlußendlicg gut so.

  3. Ohne kritische Beurteilung geht es nicht . Ich stehe auch gefühlte Stunden vor dem Spiegel und schaue, wieso sitzt das so, und was muss ich tun, um dieses oder jenes zu erreichen. Du kriegst das hin! Regina

  4. Pingback: FUSSA Finale - ArtundStil

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