To be or not to be …fashion blogger

07.12.2016  |  STIL  |  Autor: Nicole Gugger  |  3 Kommentare

Heute morgen stolperte ich über einen tollen Post von der lieben Valérie von Life40up, verbunden mit ihren Fashion Blogger Kolleginnen. Und vieles  kann ich davon nur unterstreichen. Insbesondere dieses wundervolle Zitat von Coco Chanel:

„Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich.“

Ja. Wobei eher „kann“ als „ist automatisch“. Und es braucht eben auch eine reife, starke Persönlichkeit um solch eine unwiderstehliche Frau an der Seite genießen zu können. Von daher sicher nicht für jeden geeignet.

Doch dabei schoß mir noch ein ganz anderer Gedanke durch den Kopf: Will ich eigentlich ein Fashion Blogger sein? Oder warum will ich das gerade nicht? Das ist eine tolle Runde von Frauen, deren Blogs ich alle immer wieder gerne lese. Kann und will ich mich gedanklich dazu gesellen? Ich liebe tolle Kleidung, werfe mein Tätigkeitsfeld gerade über den Haufen (typisch Scanner), merke wie sehr mir dieses privat/kreative Blog hier am Herzen liegt, werde oft für meinen eigenwilligen, guten Stil gelobt – warum eigentlich nicht?

Weil ich nähe. Und das sehr NACHHALTIG etwas in mir verändert hat.

Wenn man seine Kleidung selbst näht, wird einem der Prozess des Entstehens zwangsläufig vor Augen geführt, denn man ist Teil davon. Man weiß plötzlich, wieviel Arbeit darin steckt ein einfaches, schlichtes T-Shirt zu nähen. Und man weiß, wieviel mehr Arbeit es ist, ein Kleid, eine Hose, eine Jacke zu nähen. Das ganze vielleicht auch noch gefüttert. Wow, da ziehen einige Stunden ins Land. Selbst wenn man das ganze automatisieren würde. Das heißt selbst bei zeitoptimierter Stapelproduktion, bleibt das immernoch verdammt viel Arbeit. Und diese ganze Arbeit ist es nicht wert, wenn die Stoffqualität nicht stimmt und nur ein paar Mal angezogen werden kann.

Wer mit dem Wissen dann immernoch ein T-Shirt für 5€ kauft, ist an Ignoranz nicht zu überbieten. (Oder kann sich einfach nichts anderes leisten. Alternative 2nd Hand. Aber das endlose Themengebiet mach ich jetzt nicht auf.) Das kann so jedenfalls unter keinen Umständen zu anständigen Bedingungen produziert werden. Das Schlimme daran – ich kann mich bei teureren – selbst bei sauteuren Designerlabels – nicht darauf verlassen, dass es wirklich besser ist. Schmälert den Spaß beim einkaufen ungemein, wenn man sich die Näherin in Bangladesh unter unzumutbaren Umständen mal vorstellt. Und führt dazu, dass man den Teeniemädels, die sackweise Klamotten aus Primark rausschleppen, ebendiese gerne um die Ohren hauen würde.

Bleibt nachhaltige „Eco oder Fair Fashion“. Da gibt es inzwischen einiges. Oft eher klassische Teile, die man auch länger tragen kann als eine halbe Saison und zu wirklich fairen! Preisen. Und obwohl ich den Gedanken sehr mag, finde ich selten Sachen die mir wirklich gut gefallen. Unter anderem auch, weil ich lieber im Laden anfasse und probiere statt ständig Pakete hin und her zu schicken. Spezielle, kleine fashion Nische, die ich sehr toll finde, in der ich mich aber auch nicht sehe.

Und passen muss es auch noch.

Denn – eine andere Sache, die man beim nähen nach einiger Zeit automatisch lernt sind Passformanpassungen. Wenn man eh schon alle Einzelteile in der Hand hat und zusammennäht, macht es Sinn diese an den Körper anzupassen. Schnitte sind für Standardmaße gemacht, die hat aber niemand.  Zumindest kenne ich niemanden bei immer genauer werdender Betrachtung. Da sind Arme/Beine/Oberkörper/etc. länger oder kürzer, Rücken/Becken/Taillen/etc. schmaler oder breiter.

Wenn man mal angefangen hat, auf solche Details zu achten, fällt einem zwangsläufig auch auf, dass Kaufkleidung in den allermeisten Fälle einfach nicht sitzt. Gar nicht sitzen kann. Standardmaße eben. Da sitzen Schulternähte wo sie nicht hingehören, zieht, spannt und schlottert Stoff wo er nicht sollte. Und dann stellt sich auch das sauteure Kostümchen der Edelmarke xy plötzlich als Fehlinvestition raus.

Mit diesem Bewusstsein macht kaufen einfach keinen Spaß mehr. Selbst dem befreundeten Boutiquebesitzer bin ich mittlerweile unheimlich, weil Verarbeitungs- und Passformmängel mich quasi anspringen und laut NEIN brüllen.

Fashion Blogger impossible.

Das wird also nix. Da bleibe ich lieber bei meiner individuellen Auslegung von Lifestyle-Näh-wer weiß was da noch kommt-Blog. Stay tuned.

 

photocredit: Ich mit Apfel – im Barockschloss – geknipst von Ruth Frobeen



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Kommentare zu diesem Artikel

.meike  |  7. Dezember 2016 um 13:28 Uhr

Jawohl!

frau_nadelbernd  |  6. Januar 2017 um 20:03 Uhr

Kann ich auch nur unterschreiben. Ich habe deinen Blog erst kürzlich entdeckt, leider. Sehr inspirierend. Vielen Dank für den Tip mit dem Buch über Kleider und Frauen, hab ich mir besorgt und bin begeistert. Ich freue mich schon sehr auf deine Aktion!

Liebe Grüße,
Nadine

Nico  |  6. Januar 2017 um 23:21 Uhr

Das ist aber lieb, danke! Freue mich, dass Du dabei bist.
Lieben Gruß, Nico

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