Blogserienstart mit «Stilphilosophie»

Blogserie Teil 1 - Stilphilosophie

Los geht’s mit unserer Blogserie zum Buch ‚Frauen und Kleider. Was wir tragen, was wir sind.‘ und den ersten vier ausgewählten Fragen rund um das Thema Stilphilosophie:

  1. Welche Unterhaltung über Mode oder Stil hat Dich verändert?
  2. Mit wem redest Du über Kleider?
  3. Glaubst du, du hast Geschmack oder Stil? Was ist dir wichtiger? Was verstehst Du darunter?
  4. Wenn Du Dich nur mit Klamotten beschäftigen würdest, und man dich als Expertin nach deiner Stil-Philosophie fragen würde, was würdest du sagen?

Hier sind erstmal meine Antworten. Und schon weiß man, warum dieses Buch so unterhaltsam ist, man kommt wirklich schnell in sehr persönliche und launige Gefilde bei diesen Themen…

Welche Unterhaltung über Mode oder Stil hat Dich verändert?

So ganz direkt fällt mir keine ein, außer… Es war auf einer Preisverleihung für den Mittelstand, veranstaltet von einer Bank. Und da war dieser Mann, der optisch genauso aus dem Rahmen fiel, wie ich unter all den braven Anzugträger.  Das gemeinsame Anderssein führte zu Blickkontakt, Sympathie, Neugier und in der Folge zu einem intensiven Gespräch, das wir erst beendeten als wir quasi genötigt wurden, weil wir die letzten Gäste waren. Er hielt dort einen Vortrag über Social Media, sonst ein vielseitig kreativer Mensch, ich war dort, weil ein PräsentationsKunde von mir unter den Preisträgern war. Gemeinsame Interessen führten schnell zu einer ziemlich leidenschaftlichen Diskussion über den Unterschied zwischen Kunst und Design. Kunst, dem absichtslosen freien kreativen Ausdruck versus Design als absichtsvolles Gestalten im Sinne einer Botschaft.

Mir wurde dabei nachdrücklich klar, warum ich knapp keinen Studienplatz für freie Kunst ergattert hatte – obwohl ich zuvor fast nur tolle Rückmeldungen hatte, warum ich machte, was ich tat (Präsentationsdesign) und gut darin bin und warum mich die Kunst immer fasziniert, aber nie gefesselt hat. Ich habe einen anderen Zugang: zu verkopft würden die Künstler sagen. Zu wenig experimentell. Ich grüble zu viel, ständig, dauernd über alles.

Andere sind dafür dankbar, weil ich eigentlich immer ein Warum habe und es damit auch einleuchtend und nachhaltig erklären kann. Ich tue Dinge weil sie für mich Sinn machen. Wahrscheinlich findet sich diese Haltung auch in meinem Modestil wieder. Ich bin Designer, kein Künstler. Vielleicht ist das die große, grundlegende Stilphilosophiefrage? Designer oder Künstler? Ich denke darüber nach was ich mit meiner Kleidung ausdrucken möchte oder kann es zumindest nachträglich erklären. Andere sind viel freier, vielleicht kreativer. Ich glaube… die Kunst/Design-Unterscheidung kann man auch auf Mode übertragen, ich behalte das mal im Auge.

Mit wem redest Du über Kleidung?

Wenn ich darüber nachdenke – am häufigsten mit meinem Mann. Wer hätte das gedacht. Es ist ein paar Jahre her, dass wir durch einen befreundeten Boutiquebesitzer gemeinsam anfingen, uns mehr Gedanken über unser (und anderer) Outfit zu machen. Als damals noch DINK’s (double income no kids) entwickelten wir eine Vorliebe für Girbaud, ein französischer Designer mit einem ziemlich eigenwilligen Stil, der auffiel und dennoch einen gewissen Luxus ausstrahlte. Wir hatten zusammen eine Zeit in Italien gelebt und waren wohl doch stärker geprägt zurückgekehrt als uns bewusst war. Auch wenn wir inzwischen keine besonderen Marken mehr bevorzugen, ist uns der Spaß an einer zumindest gelegentlichen Extravaganz geblieben, kombiniert mit sowas wie sportlicher Eleganz. Von daher lege ich auf seine Meinung viel Wert. Und mache dann doch was ich will.

Und seit ich nähe, sind es andere nähende Frauen mit denen der Austausch über Kleidung viel Spaß macht. Wenn auch mit diesem speziellen Fokus. Wirkliche Stilfragen kommen mir da manchmal zu kurz. Einer der Gründe warum ich diese Serie zum Buch so spannend finde. Und ansonsten bin ich gerade selbst etwas überrascht mit wie wenigen Freundinnen ich sonst über dieses Thema rede. Zeit, das zu ändern.

Glaubst du, du hast Geschmack oder Stil? Was ist dir wichtiger? Was verstehst Du darunter?

Stil, eindeutig. Und zwar einen ziemlich eigenen. Irgendwas zwischen Audrey Hepburn, Rockstar und dem Hutmacher aus Alice im Wunderland. Bei der Suche nach einer Definition von Stil landete ich mal bei „charakteristischer Ausprägung“. Und das ist es wohl… wenn ich in einen Laden gehe und etwas anprobiere, reagieren wildfremde Menschen mit „genau Ihr Stil“ oder „das passt irgendwie gar nicht“. Und das stimmt dann auch fast immer mit meiner Einschätzung zusammen. Irgendwas muss da also sehr eindeutig sein, obwohl es niemand beschreiben kann. Ich mag das sehr.

Geschmack dagegen hört sich für mich nach Etikette an, nach zielsicherem ‚geschmackvollem‘ Bewegen innerhalb eines vorgegebenen Rahmens. Ich verbinde es mit zeitloser – oft leider auch austauschbarer – Eleganz und glaube, das viele danach streben. Mich langweilt es eher. Ich erinnere mich an ein Galadinner an einem Tisch mit ziemlich hochrangigen, teils prominenten Sitznachbarn. Nur die Frauen konnte ich leider partout nicht auseinanderhalten. Denn sie kamen alle im kleinen Schwarzen, mit langen blonden gewellten Haaren, rotem Lippenstift und Pumps. Sehr geschmackvoll. Oder so.

Mir ist allerdings völlig bewusst, dass das eine sehr subjektive Auslegung der Begriffe ist und andersherum wahrscheinlich genauso funktioniert.

Wenn Du Dich nur mit Klamotten beschäftigen würdest, und man dich als Expertin nach deiner Stilphilosophie fragen würde, was würdest du sagen?

Finde heraus wer Du bist, welche inneren und äußeren Merkmale am eindrücklichsten an Dir sind und dann finde Wege diese optimal in Szene zu setzen. Um so ein eindeutig stimmiges Gesamtbild zu schaffen, mit dem Du Dich gestärkt fühlst Deine Persönlichkeit auszuleben und unmissverständlich gesehen zu werden. Design eben.

Wenn ich Freundinnen punktuell geholfen habe, solch ein Outfit zusammenzustellen ist es immer spannend zu beobachten, wie sie anfangen zu strahlen, über sich hinaus wachsen und sich rundum wohl fühlen. Und es trotzdem nicht weiterführen, schade eigentlich. Und vor allem warum?

…puh, gar nicht so einfach und gleichzeitig spannend, was einem da alles einfällt. Jetzt seid Ihr dran – was ist Eure Stilphilosophie!?

Ich freu mich schon riesig auf Eure An- und Einsichten. Hier kommt das Linkup. Falls irgendwas nicht funktioniert, bitte kurz zurückmelden. Das Artikelbild dürft Ihr natürlich übernehmen. Und über Kommentare freue ich mich auch.

Und jetzt – habt Spaß!

 

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Wer das Originalwerk noch nicht hat, kann das hier [*] schnell ändern.

[*Ab sofort findet Ihr in meinem Blog gelegentlich Affilate-Links, die als Werbung gekennzeichnet werden müssen. Das werden aber nur Artikel oder Bücher sein, die ich auch sonst aus vollem Herzen empfohlen hätte. Wenn Ihr dem Link folgt und den Artikel direkt darüber kauft, wird mir ein winziger Betrag dafür gutgeschrieben  und es ermöglicht mir dem Blog zukünftig ein bisschen mehr Zeit zu widmen.]

17 Kommentare

  1. Hi Nico,
    Du wartest ja gespannt auf die ganzen Teilnehmer. Wie wäre es wenn Du die Fragen für den nächsten Teil vor dem Start der Linkliste veröffentlichst? Dann hätten wir Vorbereitungszeit und Du müsstest wahrscheinlich nicht sooo lange auf Antworten warten.
    Auch wie es jetzt ist finde ich es gut. Zwei Wochen sind ein guter Zeitraum für solche tiefgründigen Fragen.
    Ich freue mich auf die Aktion. Mein Post kommt voraussichtlich im Laufe der Woche.
    Lieber Gruß, Muriel

    • Hallo Muriel, lieben Dank für Deinen Vorschlag – ich bin auch schon am überlegen, ob ich die Fragen schon vorab bekannt gebe. Andererseits ist es wohl nur meine fürchterliche Neugier und Ungeduld. Und die Vorfreude und dann Freude über die neuen Beiträge ist ja auch schön. Bin schon gespannt was da noch alles kommt und bin jetzt schon ganz begeistert wie eigenwillig, das jede(r) für sich auslegt. Hach. Liebe Grüße

  2. Pingback: Stilphilosophie | FRAU HOFFMANN BLOGGT...

  3. Alrun Stemmrich

    Ich finde das alles sehr spannend und merke, dass ich die ganze Zeit überlege, wie ich die Fragen für mich beantworten würde – und das ist doch wohl schon ein Erfolg, oder?
    Vielen Dank für die tolle Idee!

    • Liebe Alrun, das ist absolut ein Erfolg und genau das was mich an dem Buch so inspiriert hat. Schön, wenn wir das mit dieser Serie so gleich weitertragen können. Dann viel Freude beim lesen, überlegen und wenn Du uns Deine Antworten auch noch verrätst, wär das umso toller. Liebe Grüße, Nico

  4. Sehr spannendes Thema und sehr spannend, darüber selbst mal nachzudenken. Vielen Dank für diese Serie!
    Liebe Grüße von Doro

  5. Hallo! Was müsste ich tun, um die Fragen beantworten zu dürfen? Und bis wann hätte ich Zeit??
    Ich bin zufällig drsuf gestossen, würde mir Freude machen 😉
    Herzlichst
    yase

    • Hallo Yase, nur die Fragen in Dein Blog kopieren, beantworten, Spaß dabei haben, verlinken. Bis Sonntag Nacht ist es geöffnet. Freue mich wenn Du mitmachst! Liebe Grüße

  6. Pingback: Blogserie „Stilphilosophie“ – fadenwechsel

  7. Liebe Nico,
    durch Zufall bin ich auf deinem Blog gelandet und gerade noch rechtzeitig für eine Verlinkung auf diese tolle Aktion gestoßen. Ich finde es sehr spannend, bei dir und anderen Antworten auf diese vier Fragen zu lesen und dabei sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zu finden. Das öffnet den eigenen Blick so wunderbar, wenn Leute sich ganz andere Aspekte herausgreifen und diese betonen. Deine Definition von „Geschmack“ beispielsweise, die sich ja ganz anders herleitet als etwa meine – das bringt einen erst zum Nachdenken, finde ich.
    Ich freue mich schon auf die weiteren Fragen und werde vielleicht auch einmal nach dem Ideen spendenden Buch Ausschau halten.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

  8. Pingback: Stilphilosophie Teil 1 | Stoffnotizen

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