Blogserie, Teil 2 mit «Stilpraegung»

Weiter geht’s mit unserer Blogserie zum Buch ‚Frauen und Kleider. Was wir tragen, was wir sind.‘ und den nächsten vier Fragen rund um das Thema Stilpraegung:

  1. Welchen kulturellen Hintergrund hast du, und wie beeinflusst er deinen Kleidungsstil?
  2. Hast du von deinen Eltern etwas über Kleider, Anziehen oder Stil gelernt? Woran erinnerst du dich konkret? Haben sie dir diese Dinge beigebracht oder hast du sie dir abgeschaut?
  3. Zeig uns ein Foto von deiner Mutter aus der Zeit, bevor sie Kinder hatte, und beschreibe, was du siehst.
  4. Kannst Du etwas dazu sagen, inwiefern deine Figur und Dein Stil mit deiner Mutter zu tun haben, oder auch nicht?

Wer die erste Serie nochmal nachlesen möchte, hier entlang. Ich fand die Antworten unglaublich spannend und vielfältig. Hier wieder erstmal meine Antworten zur Stilpraegung als Auftakt. Ich freue mich schon auf Eure Interpretationen.

Welchen kulturellen Hintergrund hast du, und wie beeinflusst er deinen Kleidungsstil?

Ich bin waschechte Berlinern, damit wie all meine Vorfahren dort geboren und habe auch die ersten 20 Jahre in der Hauptstadt gelebt. Wo sonst kann man rumlaufen wie man will ohne jemals schief angesehen zu werden. Es war schlicht alles um mich herum, vom grünem Irokesen bis Hidschab, Ökosandalen im Winter, traditionelle Kleidung aus allen Teilen der Welt, einfach alles. Sicherlich hat mich das geprägt, insbesondere meinen (nicht nur modischen) Freigeist.

Auch wenn das von meinen Eltern her erstmal nicht nötig war. Beide mit einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik, eine stimmige Linie und so, aber eher im angepassten Rahmen. Ich kann mich dann auch nur an wenige rebellische Einzelteile in meiner Jugend erinnern, die auffielen und die ich aber hoch erhobenden Hauptes ausführte. Zum Beispiel eine Jeans, die einseitig kurz unterm Po hinten aufriss, ich das eine Hosenbein kurzerhand abschnitt und dann mit bunt gemusterter Strumpfhose drunter trug, also halb Hotpant, halb Normalojeans. Eigentlich schade, dass es davon kein Beweisfoto gibt. Besondere Reaktionen – keine. Ansonsten war ich relativ unauffällig. Von den im nachhinein peinlichen Geschmacksverirrungen wie bauchfrei und Co. mal abgesehen.

Ich glaube, daß meine Heimatstadt mich immernoch sehr prägt. Menschen, die ihr eigenes Ding machen, auch modisch, sind mir 1000mal lieber als die, die einem gerade aktuellen Trend hinterher rennen. Denn ich kann mich an einem klassisch edlen Anzug ebenso erfreuen, wie an einem leuchtenden Sari, bunten, wilden Lebenskünstlerkombis oder an einem kleinen Schwarzen in Leder, solange es zu Träger oder Trägerin passt.

Hast du von deinen Eltern etwas über Kleider, Anziehen oder Stil gelernt? Woran erinnerst du dich konkret? Haben sie dir diese Dinge beigebracht oder hast du sie dir abgeschaut?

Meine Mutter starb als ich 12 Jahre alt war, nach längerer Krankheit und auch wenn ich immer hörte, dass sie einen tollen Stil hatte, wirkte der wohl eher in meinem Unterbewussten nach.

Doch sie hatte bis dahin einige Jahre in einer Boutique gearbeitet und uns verband eine Freundschaft zu den Inhabern, so bemühte sich mein Vater redlich mich dort quasi in fachkundige Hände zu geben, um mir zumindest ein paar Bascis zu vermitteln. So kam ich in jungen Jahren in den Genuss teils ziemlich hochwertige und stilvolle Kleidung zu tragen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Bemühungen meines Vaters erfolgreich waren – das war dann quasi die Geschmacks- statt Stilpraegung. Und wahrscheinlich auch die Geburtsstunde meines sogenannten Champagnerinstinkts.

Zeig uns ein Foto von deiner Mutter aus der Zeit, bevor sie Kinder hatte, und beschreibe, was du siehst.

Was für eine Aufgabe. Und sobald man in den alten Bildern stöbert, kann man sich Stunden darin verlieren. Aber jetzt – die zwei hier muss ich Euch zeigen.

 

Mama und Oma als Stilprägung

Meine Mama. Im Partnerlook mit meinem Dad auf dem Weg in den Urlaub. Sehr stylish, findet Ihr nicht? Die junge Frau, eine von vielen Geschwistern aus der eher einfach gestrickten, fleissigen Handwerkerfamilie, heiratet den von der Familie ungewünschten Rebellen mit Künstlerambitionen. Ich vermute, da stecken viele Pläne in ihrem Kopf. Und sie wird mir eine ewige Warnung sein, die nicht zu lange vor sich herzuschieben. Man weiß nie wieviel Zeit einem noch bleibt.

Was mir beim stöbern durch die Fotos fast noch mehr entgegensprang ist meine Oma. Was für eine elegante, stolze Frau. Zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch jung verheiratet und mit der festen Überzeugung goldenen Zeiten entgegenzusehen. Nur wie das Leben so spielt, kamen da in nicht allzuweiter Ferne auch wieder andere. Die sie aber mit genauso viel Eleganz, Stolz und Hartnäckigkeit ertrug. Eine unglaublich starke Persönlichkeit und eine faszinierende Frau mit Geschichte. Vermutlich hat sie mich über die vielen schwierigen Jahre mehr geprägt als alle anderen. Ach, Oma… Du fehlst!

Kannst Du etwas dazu sagen, inwiefern deine Figur und Dein Stil mit deiner Mutter zu tun haben, oder auch nicht?

Figur in jedem Fall. Ebenso mein Gesicht. Mein Vater trug lange ein Foto von meiner Mutter und eines von mir in seinem Portmonnaie mit sich rum, im gleichen Alter. Und abgesehen von den Frisuren und dem vergilbten Papier wären wir als eineiige Zwillinge durchgegangen. Das müssen also ziemlich dominante Gene gewesen sein. Mein Vater hat sich dann eher in den unsichtbaren Bereichen durchgesetzt, z.B. beim querdenkenden, schnellen Kopf und den Künstlergenen. Und eben den Spleen für Ästethik, den hab ich von beiden und bin froh drum, auch wenn er manchmal monkige Züge annimmt.

 

Jetzt seid Ihr wieder dran – an die Tasten, fertig, Spaß haben! Das Bild dürf Ihr natürlich gerne wieder übernehmen. Und wenn Ihr den ersten Teil verpasst habt (eine Woche läuft er aber noch) – macht auch nix, hier kann man bei jeder Folge neu reinspringen! Am 6. kommt der nächste Teil.

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15 Kommentare

  1. Puhh, die Fragen diese Woche haben es aber in sich. Sehr spannend. Ich freue mich schon auf die Antworten… auch deinen Post muss ich nochmal in Ruhe lesen.
    Habe schon ein paar Fotos rausgesucht – werde jetzt noch meine Mutter fragen, ob ich diese verwenden darf.
    Wenn nichts dazwischen kommt, antworte ich auf deine Fragen im laufe der Woche.
    Lieber Gruß,
    Muriel

  2. Oh ja, da hab´ich ja was zu tun……da freu´ich mich drauf. Die Fotos deiner Eltern und Großeltern finde ich ganz toll!
    Herzliche Grüße
    Sabine

  3. Auch Puh… aber die Fotos hab ich bei Mutti schon eingetrieben, mal schauen, ob ich am Wochenende Zeit für die Beantwortung der spannenden Fragen finde.
    Liebe Grüße,
    Nadine

  4. Hui. Als ich letzte Woche anfing zu tippen, hatte ich keine Ahnung, dass mit diesem Post eine Menge Selbsterkenntnis verbunden sein würde. Bevor ich ihn hier verlinke, muss ich morgen unbedingt noch einmal drüberlesen. ;)

    Liebe Grüße,
    Sabrina

  5. So, ich habe es auch geschafft alles zu tippen und zu verlinken.
    Vielen Dank für die tolle Idee und, dass du dir die Zeit nimmst, diese Blogserie zu machen. Ich freue mich schon auf die nächsten Fragen, auch wenn ich nicht so stilbewust bin. Die Selbsterkenntnis dabei ist sehr interessant.
    LG, Nadine

  6. Pingback: Stilphilosophie, Teil 2 „Stilprägung“. Was wir tragen, was wir sind. – fadenwechsel

  7. DIe Blogserie ist wirklich spannend, da setzt man sich mal mit ganz anderen Dingen auseinander! Immer spannende Fragen und es ist super interessant, bei den anderen zu lesen wie unterschieldich und daochgleich wir alle sind! Deine Mutter war scheinbar wirklich cool und der Partnerlook mit deinem Vater hoch stylisch!

  8. Wie lange habe ich Zeit zum einen Post schreiben??
    Ich habe die Aufschaltung verpasst 🙈🙈🙈
    Herzlichst
    yase

  9. Sehr sehr spannend, über diese Fragen nachzudenken! Wo komme ich her, wo will ich hin – so bekleidungstechnisch gesehen … Und sehr spannend, die Antworten zu lesen!
    Liebe Grüße von Doro

    • Hallo Doro, ja das finde ich auch. Freue mich sehr, dass Du dabei bist und das auch so empfindest. Auf geht’s zu den nächsten Fragen. ;) Liebe Grüße, Nico

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