Toleranz für Intoleranz?

24.01.2018  |  ICHbewusst  |  Autor: Nicole Gugger  |  0 Kommentare

Mir stellte sich kürzlich mal wieder die Frage wie man Toleranz für Intoleranz erreicht.
Ich fragte auf Twitter – eher rhetorisch – welchen Grad der Erleuchtung man dafür wohl erreichen muss und wie das geht.
Mit diesen Antworten hatte ich nicht gerechnet. ..

 

Tut sie das? „Toleranz ist die Achtung und Duldung gegenüber anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen.“
Wenn ich die gegenüber Intoleranz nicht zeige, bin ich also selbst intolerant. Damit schafft sie sich ebenfalls selbst ab. Richtig?
Auch wenn Karl Popper es als Toleranz-Paradoxon bezeichnet und dazu aufruft „die Unduldsamen nicht zu dulden“.
Auch wenn ich mich nur durch Zusammenfassungen gelesen habt – auf politischer Ebene, insbesondere vor dem zeitlichen Hintergund, möchte man spontan zustimmen.
Doch… wenn ich mir den einzelnen Menschen betrachte, hege ich energische Zweifel. Das Thema ist offensichtlich komplex.

Ein anderer Ansatz, der für mich zwar auch keine Lösung darstellt, aber mich zu einem anderen Blickwinkel führt…

 


Der Begriff „Recht haben“ impliziert auf den ersten Blick, dass es eine richtige und eine falsche Position gibt.
Habe ich den Verdacht „dass der andere Recht hat“, liege ich selbst falsch. Braucht es dann noch Toleranz? Eher einen Richtungswechsel.
Wenn ich das allerdings mit der Haltung eines Transaktionsanalytikers betrachte, dann wird das schon spannender. Den Verdacht, dass der andere Recht hat, kann ich durchaus haben, wenn ich das ganze innerhalb seines Bezugsrahmens betrachte.
Das heißt aus seiner Sicht, mit den dazugehörigen Erfahrungen, Werten und Annahmen, macht die Haltung Sinn.
Das heißt nicht notwendigerweise, dass ich dem innerhalb meines eigenen Bezugsrahmens zustimmen kann und möchte.

Danke TA

So kann ich dem anderen Menschen zugestehen, OK zu sein, nachvollziehbare Gründe für seine Haltung zu haben – und kann sie trotzdem falsch finden.
Gleichzeitig bleibe ich bei mir, finde mich ebenfalls OK und gelange innerhalb meines eigenen Bezugsrahmens zu einer völlig gegensätzlichen Haltung.
Toleriere ich damit im gewissen Rahmen die Intoleranz? Ich denke schon. Und das ohne die Toleranz abzuschaffen. Aber es gibt mir die Möglichkeit meinem Gegenüber mit aufrichtigem Interesse zu begegnen.
Ich kann mich so bemühen, die Intoleranz zu verstehen. Das gibt mir im Idealfall die Chance, Verständnis zu wecken für die von mir gelebte Toleranz. Was wiederum Grundlage für eine neu wachsende Toleranz wäre.

Ein passendes Zitat von Mahatma Gandhi „Auge um Auge – und die ganze Welt wird blind“. Es ist also an uns die Augen offen zu halten, den anderen wirklich zu sehen und zu verstehen.
Nur so können wir neue Wege schaffen, für ein Miteinander das allen Menschen gerecht wird. Erneut mit den Worten Mahatma Gandhis „Sei der Wandel, den du in der Welt sehen möchtest.“

Erscheint mir insgesamt soviel stimmiger. Auch wenn ich für den Gesprächsabbruch zu intoleranten Menschen aus Gründen der Selbstfürsorge persönlich großes Verständnis habe. Aufrichtige Neugier und Toleranz scheint mir der hilfreichere Weg um ein MEHR an Toleranz zu ermöglichen. In der konkreten Situation ist und bleibt das eine große Herausforderung. Intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Weltbild.
Aber wenn ich davon überzeugt bin, dass es der richtige Weg ist, weiß ich das es sich lohnt weiterzumachen.

Einverstanden?



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