#ootd Buchrezension «100x Outfit of the day»

100x Outfit of the day

Der Hashtag #ootd ist allen modeverliebten Onlinern wohl schon lange vertraut. Insbesondere auf Instagram kann man sich damit prima einen Eindruck verschaffen, in welchem Look Leute tagein tagaus das Haus verlassen. Prima für den Realitätssinn, zum inspirieren lassen und manchmal auch zum wundern. Eine tolle Idee das in Buchform aufzunehmen und mit Hochglanzfotografien zum herrlich analogen stöbern möglich zu machen. Wenn die Outfits dann noch von einem anerkannten Stylisten zusammengestellt werden und ich auch noch was über das wieso, weshalb, warum lerne, bin ich sofort dabei. Außerdem hat die liebe Michou alias Andrea mitgeschrieben, die ich nach ein paar Telefonaten nicht nur sehr ins Herz geschlossen habe, sondern auch als extrem inspirierend in Sachen Stilpersönlichkeit und Farben empfinde. Also denn – Rezensionsexemplar bestellt und losgelesen.

Im TOPP Verlag erschienen
Autoren Mads Rønnborg (und Andrea Instone)
100x Outfit of the day
Stylingideen für Lieblingssstücke

Ich habe es tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen und war …erstmal ziemlich zwiegespalten.

#ootd vom Stylisten

Zum einen haben wir 100 Outfits, die sich an verschiedenen Trendteilen orientieren.. die zum Glück teilweise auch Klassiker sind. Da wären Jogginghose, Etuikleider, Boyfriend-Hemden, Plissee-Röcke, Statement-Schmuck, Marlenehosen, Bomberjacken, Bademode, Jumpsuits, Ponchos, Skinny Pants, Black Dresses, Mäntel, Bleistiftröcke und Off the Shoulder. Sollte für jeden was relevantes dabei sein.

Alle Outfits sind gelegt, was ein gewisses Maß an Vorstellungskraft braucht, sich die Sachen am lebenden Objekt vorzustellen. Dafür wird frau aber auch nicht abgelenkt, weil einem das Model zu jung, zu schön, zu blond, zu schlank oder sonst irgendwas ist.

Der erste Eindruck: hmmm…

Ein paar davon finde ich sehr gelungen oder zumindest mit ein wenig Abwandlung absolut tragbar. Aber ich gestehe bei dem ein oder anderen Outfit habe ich auch verwundert die Stirn gerunzelt, die ein oder andere Farbkombi tut mir persönlich in den Augen weh und manches Outfit kann ich mir zwar an einer schlanken 15jährigen vorstellen, bei einer Ü40Frau mit Durchschnittsgewicht aufwärts hab ich dagegen deutliche Widerstände mein Kopfkino dazu in Gang zu setzen. Gehört das noch in die Kategorie Geschmackssache… vermutlich. Warum man Handschuhe mit Riemchenstilettos kombiniert, die Ansprache zwischen Du und Sie springt und immer wieder ein «jugendlich, süß, mädchenhaft, sexy» auftaucht erschließt sich mir aber nicht. Alles keine Attribute die ich anstrebe.

Auf jeden Fall hätte ich mir bei vielen Outfits mehr Anmerkungen gewünscht. Das „wieso, weshalb, warum“ kommt mir eindeutig zu kurz. Das wären schließlich die Fragen, die ich einem professionellen Stylisten stellen würde. Erst recht wenn ein «auf jeden Fall», «niemals» oder «unbedingt» in den Anmerkungen auftaucht, will ich wissen warum.

Dennoch stelle ich fest, dass ich jedes Mal wenn ich das Buch wieder in die Hand nehme, irgendwo anders hängen bleibe und auf neue Ideen komme. Die zwar ganz anders sind als die gezeigten, aber es regt tatsächlich die Experimentierlust an und genau das soll es laut Vorwort ausdrücklich. Nur braucht das vielleicht einen Moment länger als gedacht und mehrfaches aufschlagen.

Stilberatung wie sie sein sollte

Zum anderen sind da die 10 Doppelseiten von Andrea – allein dafür liebe ich das Buch. Sie hat eine unvergleichliche Gabe Frauen Lust auf sich selbst zu machen, auf Spurensuche in sich und dem eigenen Kleiderschrank zu gehen und den eigenen unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Mit viel Feingefühl und Charme arbeitet sie sich durch die typischen Farb- und Stilthemen und regt dazu an, strikte Vorgaben zu hinterfragen und auch mal umzudeuten, denn nicht immer kommt dabei etwas raus, das uns auch entspricht und damit zum strahlen bringt. Und einen dann doch gleichzeitig an die Hand zu nehmen und zu zeigen, warum manche dieser Regeln sinnvoll sind. Aber eben nicht absolut, sondern individuell interpretiert.

Nach jeder einzelnen dieser Doppelseiten dachte ich «MEHR DAVON!» Das ist die Farb- und Stilberaterin die wir alle gebrauchen könnten und mit der man richtig Lust hat, den eigenen Stil und Kleiderschrankinhalt mal gehörig auf den Prüfstand zu stellen.

Fazit

Von der Stylistenversion von #ootd bin ich in Summe doch etwas enttäuscht, aus der Idee hätte man mehr machen können.
Die begleitenden 20 Seiten Stilberatung sind ein echter kleiner Schatz, aber eben verhältnismäßig wenig. In umgedrehter Gewichtung und etwas mehr aus einem Guss, wäre es ein richtig tolles Buch. So ist es vermutlich eher eine «Inspirationsquelle für Experimentierfreudige mit guter Vorstellungskraft». Es hätte soviel mehr sein können.

Für mich ganz persönlich bin ich wiedermal glücklich als nähender Mensch nicht darauf angewiesen zu sein, was gerade in den Läden hängt und mir so meine Farb- und StilKombis viel individueller zusammenzaubern zu können. Ich habe tatsächlich Lust auf Jogginghose, bunte Skinny Pants und Bleistiftrock bekommen, die es bisher hier nicht hatte. Mal gucken wie lange das hält und ob ich jetzt wirklich mutiger und abwechslungsreicher werde. Ihr werdet es sicher merken.

2 Kommentare

  1. Pingback: Buchrezension „100x Outfit of the day“ – fadenwechsel

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