Tschüss Phobie

27.08.2019  |  Kommunikation  |  Autor: Nicole Gugger  |  0 Kommentare

Zumindest ist das die Absicht. Nachdem ich letztes Jahr in den unabsichtlichen Genuss kam, einen kurzen Vortrag inkl. Übung zum Thema Hypnose zu hören – was ich vorher immer kategorisch ausgeschlossen habe – habe ich relativ spontan beschlossen ein schon lange in mir schlummerndes Nervthema anzugehen.

Hypnose – nein danke. Oder vielleicht doch?

Seit ich denken kann, hasse ich Spinnen. Angst finde ich nicht mal den richtigen Ausdruck, es ist mehr ein überwältigender Ekel. Aber er führt dazu, dass ich es tunlichst vermeide im Keller zu kruschteln, dunkle Ecken in Tiefgarage und Co. meide und auch Gartenarbeiten kategorisch verabscheue. Was also doch irgendwie eine ziemlich einschränkende Sache ist.

Therapien zur Bewältigung einer Phobie beinhalten meist die Konfrontation mit der gefürchteten Situation. Warum also sollte ich mich auf etwas einlassen, was mich mit Sicherheit zu dem führt was ich seit Jahren auf alle erdenklichen Arten vermeide!?

Das schöne an der Hypnose ist, dass es das nicht braucht. Immerhin bin ich in der Lage mir die Viecher in Filmen, Dokumentationen oder hinter Glasscheiben anzugucken – wenn auch mit Widerwillen. Dann geht das auch im Kopf. Und im Gegensatz zu meinen Befürchtungen bleibe ich immer bei Bewusstsein und kriege alles mit und kann es steuern. Aufgrund einer Empfehlung landete ich also bei Simone auf der Website, wir telefonierten, vereinbarten erfreulich zügig einen Termin und da lag ich nun.

Wir starteten mit einem ausführlichen Vorgespräch über meine Situation, meine Sorgen, meine Hoffnung. Ich fühlte mich in jedem Moment ernst und wahrgenommen und sehr professionell begleitet. Dann ging der eigentliche Teil los, also ab auf die Couch. Eine wunderbar entspannende Einleitung, ein Aufenhalt an meinem geliebten sicheren Ort und dann eine Gedankenreise in eine zukünftige Situation ohne Angst.

Wahrnehmbares Ergebnis in den nächsten Tagen: der Gang in den Keller war schon etwas weniger angespannt. Das Unkraut zupfen auf der Terrasse ebenfalls. Deutlich besser aber noch nicht gut.

Also zweiter Termin, zweite Runde professionell geleitete Gedankenreise. Andere Situation um weitere Alltagssituationen abzudecken und zu entspannen. Beide Male bekam ich die Tonaufnahme der Sitzung um sie mir weitere Male in Ruhe anzuhören und die Wirkung zu verstärken.

Fazit

Mittlerweile ist ein gutes Jahr vergangen… wir sind umgezogen in ein Haus mit Garten, ländlich gelegen. Spinnen überall. Mit den Weberknechten im Haus lebe ich fast schon in friedlicher Ko-Existenz sofern sie nicht überhand nehmen. Die kleineren Spinnen draußen sind mir völlig egal, „die leben da halt“. Wenn sie ihre Netze an allzu unpraktischen Stellen spannen, mache ich sie einfach weg. Winkelspinnen im Haus mag ich immer noch nicht, war auch nicht mein Anspruch. Wenn sie sich hinein verirren werden sie je nach Situation mit nem Spidercatcher wieder rausgesetzt und gut.

Worst case Szenario gefällig? Ich stand in der Küche, irgendwas kitzelte mich im Nacken, ich trug ein Hoodie, bestimmt die Kaputze, zuppelte irgendwas zurecht, kratzte mich, gut. Kurz danach wieder, irgendwie anders. Geistesgegenwärtig schnipste ich es diesmal eher weg. Plumps da saß so ein dickes, schwarzes Etwas vor mir auf dem Boden und rannte auf mich zu. Ich habe schlicht reflexhaft zugetreten. Reste weggemacht. Fertig. Nicht nett, ich weiß, aber wenn sie beschließen auf mich zuzurennen, werden sie gekillt. Basta. Früher hätte mich das stattdessen in eine Panikattacke getrieben und mich wochenlang nicht schlafen lassen. Mein Haus, meine Regeln. Für mich ist das ein unglaublicher Erfolg. Es ist eine echte Erleichterung und hebt die Lebensqualität um einiges. Insbesondere die Freude, die mir der Garten macht. Mit minimalen Aufwand und ohne Konfrontation. Ich kann es jedem mit ähnlich einschränkenden, singulären Ängsten, wärmstens empfehlen!



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