Bann gebrochen

04.04.2018  |  ART  |  Autor: Nicole Gugger  |  0 Kommentare

Ich stand wieder an der Staffelei. Ein konkreter Anlass bzw. ein konkreter Raum, neu gestaltet mit jungfräulichen Wänden und frischen Farben in den Möbeln hat es geschafft, mir eine Idee in den Kopf zu pflanzen. Eine Vision eines Bildes, das dort hinpassen würde. Nicht mein eigener Raum und kein Auftrag, aber ich hatte Lust es einfach zu machen.

Was soll ich sagen – die alten Farben rauskramen, eine vorhandene Leinwand grundieren, loslegen – fühlte sich seltsam an. Ein glücklich, vorfreudiges aber auch seltsames Kribbeln. Ob man sich so fühlt, wenn man sich mit der ersten großen Liebe nach Jahren wiedertrifft? So ähnlich stelle ich es mir vor.

Keine Enttäuschung. Ein wundervoller Flow. Die Farben hatte genauso Freude wie ich sich miteinander zu vereinen. Meine Idee umzusetzen und doch ihren ganz eigenen Weg zu nehmen. Von Gedanken und Interpretationen gesteuert und sich doch ganz eigenwillig entwickelnd.

Üblicherweise mag ich es in abstrakte Malerei sehr konkrete, realistische Elemente zu integrieren. Doch hier war es das visuell schlichte Modell der Ich-Zustände in der Transaktionsanalyse das für sich stand, sich vielfältig abwandeln und integrieren lies und damit gewollte wie zufällige Interpretationsspielräume öffnete.

Fast fertig stand es auf der Leinwand und wir waren uns einig, dass noch was fehlt. Wir eine kleine Pause brauchten um klar zu werden. Währenddessen entstand gleich das nächste. Ein Materialmix der schon lange in meinem Kopf und Fundus auf Verwirklichung wartete, kam ans Licht. Aber das Zusammenspiel aus den verschiedenen Materialien wollte ich erst ausprobieren, bevor ich es ins andere integrierte. Das zweite entstand schnell, funktionierte wie gedacht. Dann im Wechsel ein filigranes, sanftes Finish, beide mit funkelnden Details. Bis ich beide glücklich und zufrieden anlächeln konnte.

Mit weichen Knien eingepackt um einen optimalen Anlass zu nutzen, es in den gedachten Räumen zu präsentieren. Es ist Jahre her… eigene Bilder der Beurteilung durch andere auszuliefern. Schwer fiel es mir immer. Diesmal kein Fachpublikum und selbst wenn… Kunst bleibt immer auch ein Stück weit Geschmackssache. „Dekorativ“ sind sie alle Mal – in Kunstkreisen gerne als Schimpfwort genutzt, auch wenn ich mich dem immer noch nicht anschließen möchte. Nach meinem Verständnis soll Kunst etwas im Betrachter auslösen, mehr als nur dekorativ sein. Doch es schließt es nicht aus.

Die Rückmeldung – war zauberhaft. Was für eine Erleichterung. Was für ein wunderbares Gefühl, die ersten zaghaften Schritte auf dem Weg getan zu haben.
Die zwei Bilder werden als Dauerleihgabe in den ihnen angedachten Räumen im ITAS einen Platz bekommen. Es ist die richtige Richtung – ich bin mir ganz sicher.
Seitdem sprudeln die Ideen auch wieder. Der richtige Moment zum Leinwand auf die Staffelei spannen wartet schon ungeduldig, ich spüre es.

Nur das mit dem fotografieren muss ich noch etwas üben und mir mehr Zeit nehmen, mit den spiegelnden und metallisch schimmernden Elementen sieht das auf Fotos leider nur halb so gut aus wie das Original.



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