Webinare, #remotework & Co. …meine persönlichen Lerneffekte

12.05.2020  |  Kommunizieren  |  Autor: Nicole Gugger  |  0 Kommentare

Digital kommunizieren und trainieren.

Homeoffice ist für mich seit Jahren Alltag. Anfangs vermisste ich vor allem die kurze Plauderei beim Kaffee holen und die Mittagspause mit Kollegen. Twitter ersetzte mit der Zeit die erste, da war eine Reihe von Menschen in ähnlichen Situationen mit denen ich genug Anknüpfungspunkte fand um gelegentlich über Gott und die Welt zu plaudern. Oder viel eher über Konzepte, Brainstorming und kleine Menschlichkeiten, oft auch über Telefon. Die Mittagspause plante ich mir mindestens einmal die Woche mit irgendwem ein, die/der irgendwo im Umfeld arbeitete. Exkollegen, andere Selbstständige oder Führungskräfte. Und aufgrund der Seminare die ich regelmäßig gab, hatte ich manchmal so viel intensiven Kontakt zu Menschen, dass die Ruhe alleine dann wieder eine willkommene Abwechslung war.

Zu der Zeit ging der Hype Webinar schon einmal um und ich kaute einige Zeit gründlich auf dem Gedanken rum. Bequem wär’s ja schon. Verwarf es aber wieder, nachdem ich viele besucht habe und nur entweder genervt durchgehalten oder tatsächlich entnervt vorzeitig abgebrochen habe. Zugegeben, ich bin ein mühsam zu beglückender Seminarteilnehmer. Als ausgebildete Trainerin mit dem Schwerpunkt Präsentation, die selbst TrainTheTrainer Ausbildungen mit unterrichtet hat und auf dem Weg der Transaktionsanalyse ist, habe ich mittlerweile einen gewissen Anspruch. Der selten erfüllt wird. Glaubt mir, das ist vor allem für mich frustrierend.

Nochmal neu und jetzt besser

Nun hat COVID19 diesen ganzen Hype Online-Seminare und Workshops mit einer gehörigen Portion schlichter Notwendigkeit zurückgebracht und ich habe mich diesmal darauf eingelassen. Mir zum Einstieg wieder erstmal einige angesehen… Das Niveau ist definitiv gestiegen – zum einen vermutlich aufgrund der leichter zu bewältigenden Technik, zum anderen hat sich aber auch die Erkenntnis, dass reine Textfolien nicht so prickelnd sind langsam verbreitet. So richtig vollends begeistert hat mich trotzdem kaum etwas. Dennoch… einzelne Aspekte waren prima und damit kam ich zur Überzeugung: da geht was, wenn man es richtig macht. Und das bedeutete für mich diese einzelnen Aspekte reflektieren, adaptieren, neu zusammenwürfeln, lernen und besser machen.

Wenn ich mir die Feedbacks zu meinen eigenen Webinaren anhöre, scheint, dass mir das gut gelingt. Perfekt ist niemand, aber im oberen Drittel des Feldes mitschwimmen und kontinuierlich weitermachen reicht meinem bewältigten Perfektionismus inzwischen.

Nachdem ich heute diesen [Klick] lohnenswerten Artikel über „Virtuelle Begegnung“ gelesen habe, kam ich auf die Idee meine für mich wichtigsten Erkenntnisse zu beschreiben.

Meine persönlichen Lerneffekte

Optisches Setting

 

Um ein möglichst angenehmes, „lebensechtes“ Gefühl hinzubekommen ist es wichtig zumindest grob in Richtung der Kamera zu sehen. Also macht es Sinn, alles was man im Blick haben sollte und/oder was einen dazu verleitet hinzugucken, auch in der Nähe dieser anzuordnen. Die Videobilder der Gesprächs- oder Webinarteilnehmer schiebe ich also an den oberen Bildschirmrand, direkt unterhalb der Kamera. Wenn ich ein Webinar halte, schließe ich den zweiten Monitor an und stelle ihn direkt hinter mein Notebook. Dadurch habe ich die „presenters view“ auf meinem kleineren Bildschirm der mir saubere Überleitungen der Folien ermöglicht – unterhalb der Kamera. Die für mich unwichtigere Teilnehmerperspektive auf dem großen dahinter.
Mein Blick ist damit in etwa auf Augenhöhe, das ist die Haltung die mir auch sonst wichtig ist, also macht es Sinn diese auch zu visualisieren. Ggf. stelle ich mein Notebook einfach auf ein bis zwei Bildbände und schon bin ich mit meinem Publikum optisch auf einer Ebene.

Mittlerweile kam noch die Anregung zum Hintergrund – auch ein guter Punkt, Danke Gabi. Bei mir prangt da momentan noch eine leere, weiße Wand was gar nicht schlecht ist. Sehr beliebt ist auch das dekorativ eingeräumte Bücherregal, obwohl das tendenziell schon dazu verleitet zu gucken, welche Titel da so rumstehen. Heißt also auch hier möglichst schlicht und nicht ablenkend. Mittlerweile gibt es aus diesem Grund dafür auf diversen Plattformen auch schon die Möglichkeit den Hintergrund mit einem blurr-Effekt zu versehen.

Kleine Anekdote – letztens habe ich an einem virtuellen Meeting im Wohnzimmer teilgenommen, da mein Mann im Büro ebenfalls in einem war. Woraufhin ich erstmal gefragt wurde ob ich mitten im Wald sitze. Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass hinter mir ein XXL Foto auf Leinwand prangt, dass sich ganz hervorragend als relativ schlichter aber dekorativer Hintergrund eignet. Also dreht Euch doch einfach mal um und überlegt ob der Hintergrund hilfreich ist und das über Euch aussagt, was Ihr auch vermitteln wollt.

Präsentationsdesign

 

Gehirngerechtes SlideDesign ist eh schon jahrelang mein Kernthema und daher logischerweise auch mein erstes Webinar. Und nun ist es wichtiger als je zuvor. Wenn ich in einem Meetingraum sitze und kaum Flucht- oder Ablenkungsmöglichkeiten habe, die nicht als massiv unhöflich empfunden werden, bin ich als Teilnehmer mangels Alternativen fast gezwungen jede noch so langweilige PPT an der Wand zu ertragen. In meinem Homeoffice aka Zuhause, wo jede Menge spannende Ablenkung nur einen kleinen dezenten Klick oder Blick entfernt ist, werde ich mir das kaum antun.

Es ist erschreckenderweise immer noch für viele eine neue Erkenntnis: lesen und zuhören gleichzeitig funktioniert schlicht und ergreifend nicht! Nur weil Ihr die Textblöcke kleiner macht und ein Bild daneben stellt, wird das nicht besser. Lasst es. Jetzt erst recht. Ich zeig Euch auch gerne wie [klick]. 

Life-Interaktion, für das halbwegs echte Feeling

 

Menschen brauchen Austausch, Anerkennung, Rückmeldung. Es macht keinen Spaß eine still lauschende Menge zu beschallen. Und das lebendig und echt wirken zu lassen, braucht Training oder viel Talent. Aber so richtig gesehen fühle ich mich als Teilnehmer selbst dann noch nicht. Wie auch. Meine bisherige Lösung sind daher möglichst kleine Gruppen und immer mal wieder eine offene Diskussion wie ich es in Präsenzseminaren auch tun würde. Was in Großgruppen schlicht nicht realisierbar ist, jeder bisher erlebte Versuch wirkte eher halbherzig und lässt „unbeachtete“ Wortmeldungen zurück, was zumindest unbewusst sicher keinen positiven Effekt hinterlassen wird. Ich vermute da werden sich noch neue Formate entwickeln über die ich ein anderes Mal nachdenke.

Nutzen, Nutzen, Nutzen

 

Wann immer ich möchte, dass mir mein Gegenüber aufmerksam zuhört, muss es ihr/ihm einen Nutzen bieten. Der kann vielfältig sein, ist aber zwingend. Und wenn es das Gefühl von Verbindung oder eigener Nützlichkeit durch zuhören ist, kann das durch ein Gespräch helfen. Bei einem Webinar muss der Nutzen also anders und jederzeit eindeutig erkennbar sein, da die Aufmerksamkeit virtuell deutlich flüchtiger ist. Heißt: denkt, plant und strafft aus Kunden-/Teilnehmerperspektive. Und dann wird auch klar, dass oberflächliche Fragen, ob in der gesamten Gruppe oder in wild zueinander gewürfelten BreakOut Rooms, sprich virtuellen Gruppenarbeiten nicht hilfreich sondern eher kontraproduktiv sind. Denn nutzen tut mir die Beantwortung oder wahllose Diskussion nichts. Auch das ist „eigentlich“ alles nichts Neues, aber das heißt ja bekanntermaßen nicht, das es auch umgesetzt wird. Auf virtuellem Weg wird scheinbar alles etwas offensichtlicher und damit dringender.

Kürzer! Entweder kompakter oder in Intervallen.

 

Onlinemeetings und Webinare sind Hochleistungssport fürs Gehirn. Kein Wunder also, dass sich so viele erschlagen fühlen, wenn sie in stunden- oder sogar tagelangen virtuellen Schulungen sitzen. Wir haben nicht nur die Inhalte zum verarbeiten, sondern auch reduzierte Eindrücke unserer Mitteilnehmer, bei denen unser Hirn versucht, das wenige das wir bekommen zu ergänzen bzw. zu interpretieren. Und dann ist auch noch die reale Umgebung um uns herum. Haustier, Kinder, der klingelnde Paketservice.. ihr kennt das Spektrum. Also könnte man Tempo rausnehmen und entzerren, was nur bedingt gut für die Gefahr der Ablenkung ist. Oder im Gegenteil die Inhalte konzentrieren, das ist bisher mein Weg. Bei großen Themen denke ich dann lieber in Intervallen. D.h. kompakter digitaler Live- Input, dann individuelle Arbeit und wieder von vorne.

 

Kannst Du das bestätigen oder siehst Du das ganz anders? Was sind Deine Gedanken dazu?



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