„PowerPoint ist schuld“ (M)eine Kritik an der Kritik

06.02.2019  |  Präsentation  |  Autor: Nicole Gugger  |  0 Kommentare

Anders kann ich mir nicht erklären warum Menschen, die es besser wissen sollten – sogenannte Rhetorik-, Präsentations- und Schlagfertigkeitstrainer, alle in das gleiche Horn blasen. Selbst eine Anti-Power-Point-Partei gab es schon. International hat sich Edward R. Tufte, ein ehemaliger Professor für Informationswissenschaft und Design mit seiner PowerPoint-Kritik einen weitreichenden Namen gemacht.

Aktuelle Beispiele gefällig? Hier oder hier.

Was ich all diesen „Experten“ anlaste ist, dass sie eine Software beschuldigen der Grund für schlechte Vorträge und Meetings zu sein.
Beschimpfen Sie Ihren Hammer dafür, dass Sie den Nagel nicht treffen um ihn in die Wand zu bekommen?
Den Stadtplan für Ihren fehlenden Orientierungssinn?
Beschuldigen Sie Ihr Auto, wenn jemand anderes Ihnen die Vorfahrt nimmt?
Microsoft Word dafür, dass so schlechte Bücher geschrieben werden?
Wohl kaum. Und wenn, dann ist Ihnen Ihr törichtes Verhalten durchaus bewusst.
Warum dann also?

Berechtigt ist dagegen die Kritik an der miserablen Anwendung. Ich stimme vollkommen zu, dass die typische PowerPoint-Präsentation schlecht und nicht zielführend ist. Lieblos aneinandergereihte Unmengen von Text, Bulletpoints, unübersichtliche Statistiken und bunte Rahmen drumrum ergeben nun mal keine gute Präsentation. Das gilt übrigens auch für Flipcharts. Und ja, in einem Meeting ist ein Memo oder eine ausgedruckte Agenda oftmals die sinnvollere Maßnahme. Wenn Sie Tipps für eine bessere Meeting-Kultur suchen, finden Sie hier übrigens gute Ansätze.

Aber warum machen wir das so?

  1. Kaum jemand hat es das präsentieren gelernt. Und wenn, dann oft auch noch falsch. Das ist ein Lehrer-Leitfaden für das Thema Präsentation – er ist schlicht miserabel und führt zu den typischen Präsentations-Katastrophen, die im Klassenzimmer schon anfangen.
  2. Wir bekommen es seit Jahren von allen Seiten falsch vorgeführt und ahmen es einfach nach. Das ist genau die Art wie Menschen schon immer gelernt haben.
  3. Es anders zu machen braucht Reflexion, Zeit, Energie und Mut. Fast jeder hat schon unter langweiligen Folienschlachten gelitten, aber man muss es auch ändern wollen. Das lesen von Fachliteratur, umsetzen und ausarbeiten kostet eine ganze Menge Zeit. Und schlussendlich braucht man auch noch den Mut aus dem Raster zu fallen. Sich über einen vorgegebenes Masterdesign hinwegzusetzen. Das ist schon eine ganze Reihe von Hindernissen, die es zu überwinden gilt.
  4. Und nicht zuletzt – Daniel Kahnemann führt in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ eindrücklich vor, wie stark der Mensch zur Oberflächlichkeit tendiert. Nachdenken ist anstrengend und kostet Zeit, also wird es (zu) oft vermieden. Wenn man den großen Philosophen glaubt, grenzt es an Genie Dinge einfach und wesentlich zu machen. Wie können wir einer Software unsere menschliche Natur anlasten? Das ist der beste Beweis, es ist bequem und oberflächlich. Und damit dumm.

 

„People who know what they’re talking about don’t need PowerPoint“ Steve Jobs

Stimmt. Trotzdem hat er es (bzw. das Apple-Pendant) bei seinen legendären Keynotes genutzt. Weil es gute Gründe dafür gibt.

Warum ist PowerPoint sinnvoll?

Weil sich grundsätzlich alle Menschen und ca. 60% sogar deutlich besser an Informationen erinnern können, wenn sie mit etwas Bildhaftem verknüpft sind.
Weil komplexe Prozesse, mehrdimensionale Organigramme und Diagramme viel leichter nachvollziehbar sind, wenn man sie visuell aufbereitet.
Weil Sie vor großem Publikum präsentieren und ihre visuelle Ergänzung für alle gut sichtbar sein soll.
Weil ihre Präsentation eine Qualitätsanmutung braucht, der analoge Medien oft nicht gerecht werden.
Weil Sie einen Vortrag immer und immer wieder halten. Das ist auch ein bisschen bequem, spart aber zusätzlich Zeit und Papier.

Fazit: Auch scheinbare Experten erzählen manchmal Mist. Benutzen Sie bitte Ihren eigenen Kopf.
Im Zweifel für den Angeklagten….



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